Berlin Tag 3 und 4

Unsere Reise geht zu Ende. Der Abschluss war ein sehr emotionaler. Ich kann zwar nur für die Hälfte der Gruppe sprechen. Denn wir wurden, bei der Führung durch die ehemalige zentrale Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR in Berlin-Hohenschönhausen, getrennt.  Unsere Begleitung war Karl_Heinz Richter. Ein Mann, der wirklich viel erlebt hat. Er war 3 Jahre in dem Gefängnis und war ein Rebell, der viel leiden musste und sich dem DDR Regime widersetzt hat. Dadurch musste er viel psychische und körperliche Gewalt über sich ergehen lassen. Er hat seine Familie verloren. Seine Frau in der Psychiatrie, da sie für sein Verhalten bestraft wurde. Seine Tochter, weil sie sich für sich entschieden hat, da der Kontakt zum Vater für sie zu viele Wunden offen lässt und sie immer wieder an die Zeit im Heim erinnert wurde. Dort wurde ihr erzählt, dass der Papa sie nicht liebt, da er sie ja nicht abholt. Seine Familie wurde bestraft, da sie seinen Willen und Streben nach Freiheit nicht brechen konnten. Diese perfide Art der Bestrafung war bei der Stasi gang und gebe. Er ist kein Einzelfall aber einer der Zeitzeugen die noch etwas berichten können. Seine Geschichte hat uns alle sehr bewegt und bei einigen sind auch Tränen geflossen. Doch am meisten haben mich seine Zwischensätze beeindruckt, dass es uns gut geht, da wir hier eine richtig gute Freiheit haben. Man kann offen reden und sprechen, seine Meinung sagen ohne Angst zu haben. Aber er sagte auch, dass er die Menschen vermisst die für diese demokratischen Rechte auch auf die Straße gehen. Wobei er betont hat, dass man sein Wahlrecht wahrnehmen soll. Auf meine Frage, ob er Parallelen sieht zwischen der heutigen Zeit und der damaligen Zeit, bevor alles anfing, mit der DDR, sagte er, dass er dies nicht so sieht, zumindest in Deutschland nicht, aber global durchaus Problematiken da sind, vor allem bei Tarnorganisationen und dem einem neuen auf dem Politikparkett, Donald Trump.

Beginnen wir mit Tag 3. Tag 3 war der vollste von allen. Wir haben mit einer Stadtrundfahrt gestartet. Dabei haben wir viel gesehen aber leider auch vieles nicht. Dies lag allerdings nicht an einer schlechten Organisation sondern an der Zeit. Wir haben 2 Stopps eingelegt. Einmal an einer Gedenkstätte der ehemaligen Mauer in der Bernauer Straße. Und den zweiten an einem schönen Platz an der Spree bei der East-Side-Gallery . Auch hatten wir mit dem Wetter an diesem Tag Glück. Es war sehr kalt aber bis zu den Abendstunden recht schön. Beim Mittagessen, welches diesmal richtig gut und reichhaltig war, dort hat uns Jens Zimmermann das erste Mal besucht. Wie ich erfahren habe, war er in Moskau und hatte ein Treffen mit Gorbatschow. Ja ich beneide Jens richtig um diese Möglichkeit. Michael Gorbatschow ist für mich einer der Größten, noch lebenden Politiker die ich kenne. Für die Jungen unter uns, Gorbatschow ist mit Helmut Kohl, Hauptverantwortlich das wir diese Reise machen konnten. Durch IHN gab es die Wiedervereinigung da die DDR, russisches Territorium war. Die Bundesrepublik Deutschland wurde mit der DDR wiedervereinigt. Aber wieder zurück. Jens ist in Berlin gelandet und gleich zu uns gekommen. Ein kurzes Hallo und nach 20min war er wieder weg. Allerdings sahen wir ihn im historischen Reichstagsgebäude / Bundestag ja wieder. Nach dem Mittagessen ging es auch dort hin. Nach erfolgreicher Sicherheitskontrolle, waren wir also im Bundestag. Ein beeindruckendes Gebäude mit weniger Geschichte als man denkt, zumindest in 3. Reich. Durch den damaligen Brand, vor Hitlers Machtergreifung, hatte das Reichstagsgebäude kaum Bedeutung für die NSDAP. Es wurde nie eine Rede Hitlers in diesem Reichstagsgebäude gehalten, weshalb man auch dieses Gebäude für den Bundestag in Betracht gezogen hat.

Wir wurden von einer jungen Dame empfangen die uns eine halbe Stunde etwas zur Geschichte und der Gegenwart des Reichstagsgebäudes erzählt hat. Nach dieser Einführung ging es dann zum Gespräch mit Dr. Jens Zimmerman in Raum 1A oder A1. Wer meinen Blog kennt, weiß, dass ich recht kritisch bin. Aber Jens macht nach meiner bisherigen Meinung einen tollen Job. Er erzählte über Probleme, Kompromisse und auch über das aktuelle Problem der großen Koalition. Man könnte jetzt schon Themen von Martin Schultz bzw. der SPD umsetzen wenn man vor der Wahl mit der Opposition zusammenarbeitet. Aber ich kann auch verstehen, dass die SPD als verlässlicher Partner gelten will und in neuen Verhandlungen nicht als Koalitionsbrecher beginnen möchte. Mehr will ich hier jetzt nicht sagen, nur so viel, Jens hat offen mit uns gesprochen und Vieles von dem was er sagte, kaufe ich ihm ab.

Am Abend ging es dann an die Spree, dort haben wir uns ein Schiff gekapert. Wir fuhren 2 Stunden durch Berlin inkl. Abendessen. Am Kanzleramt vorbei, dem „neuen“ Hauptbahnhof, durchs Regierungsviertel und vielen historischen Gebäuden. Es war leider richtig kalt und windig, weshalb viele von uns nicht an Oberdeck waren. Auf der anderen Seite hatte ich Platz um schöne Fotos zu machen.  Damit war dieser Tag abgeschlossen. Im Hotel haben sich ein paar von uns ein paar Bierchen gegönnt und andere waren nochmal das Berliner Nachtleben genießen.

Tag 4 war ein recht emotionaler Tag. Es war bzw. ist Abreisetag und der Besuch in der Stasi Gefängnisgedenkstädte, wie oben beschrieben, kam noch hinzu. Gegen Mittag ging es dann auf den Berliner Fernsehturm wo wir auf ca. 210m Höhe zu Mittag gegessen haben. Das Essen war wirklich lecker. Der Blick durch das trübe Wetter, allerdings nicht so dolle. Dies war dann auch unser letzter Programmpunkt. Nun stand nur noch die Heimfahrt im ICE an, in dem ich gerade sitze und diese Zeilen tippe.

 

Mein Resümee zu dieser Fahrt ist, dass es absolut informativ war. Ich habe viele nette, neue Leute, viele JUNGE Menschen kennengelernt. Das Programm war nicht zu viel und nicht zu wenig. Es gibt nur 2 Dinge die nicht ganz optimal waren. Die Portionen der ersten beiden Essen und die Rundfahrt war leider zu kurz bzw. wir hatten zu wenige Punkte an denen wir gehalten haben, um sie uns aus der Nähe anzuschauen. Alles andere war richtig, richtig toll. Ich hoffe, dass ich so eine Fahrt irgendwann in meinem Leben nochmal machen kann. Wir durften das politische und geschichtlich geprägte Berlin erleben. Danke nochmal Jens, dass du mir und Lydia dies ermöglicht hast.

 

Euer Bernd

 

 

 

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